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Welches Bier passt zur Pizza? Wir fragen den digitalen Biersommelier!

Welches Bier passt zur Pizza? Wir fragen den digitalen Biersommelier!

Studierende haben im Rahmen des Masterlabors Brautechnologien Prototypen eines digitalen Biersommeliers entwickelt.

In diesem Wintersemester mussten die Campus Brauerei sowie interessierte Studierende erneut umplanen. Praktische Lehrveranstaltungen waren zum Schutz aller Beteiligten nicht möglich. Daher wurde erneut ein neues Konzept für ein digitales Masterlabor umgesetzt. Die Aufgabe der Studierenden: entwickelt einen digitalen Biersommelier!

Wer stand nicht in letzter Zeit schon einmal vor der schweren Wahl in den aktuell glücklicherweise sehr gut sortierten Supermarktregalen: welches Bier passt am besten zum heutigen Abendessen? Genau für diese Fragestellung sollten die Studierenden im Rahmen des Masterlabors eine App entwickeln.

Der im Maschinenbau verbreitete Ansatz des Maschinellen Lernens wurde von den Studierenden auf die Fragestellung angewandt und die Lösung in Prototypen umgesetzt. Um die Aufgabe anzugehen, wurden die Studierenden in zwei Teams von je 10 Personen aufgeteilt und haben sich - analog des Scrum-Modells - in regelmäßigen Sprints selbst organisiert.

In vergangenen Monaten sind vielversprechende Prototypen entstanden, die nun im Rahmen der Abschlussveranstaltung vorgestellt sowie praktisch demonstiert wurden. Eine Jury, bestehend aus dem Dekan der Fakultät (Prof. P. Nyhuis), dem Studiendekan (Prof. M. Becker) sowie der Leiterin des IMP (Prof. B. Glasmacher), bewertete die Konzepte.

Beide Teams nutzen ähnliche Datenquellen zur Entwicklung des digitalen Biersommeliers. Es wurden die Nährwerte typischer Lebensmittel recherchiert sowie Umfragen für "reale" Biersommeliers erstellt und durchgeführt. Hierbei ging es um die Verknüpfung der menschlichen Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter, umami) mit den jeweiligen Bierstilen. Mit diesen Informationen wurden die Künstlichen Intelligenzen trainiert. Parallel dazu erfolgte die Erstellung von grafischen Benutzeroberflächen.

Das erste von zwei Teams hat mit dem Namen ihres Prototypen direkt die Richtung vorgegeben: Bierweiser soll der digitale Biersommelier heißen. Der entwickelte Prototyp kann eine Auswahl aus 35 Bierstilen treffen. Durch die Campus Brauerei wurden zwei Gerichte vorgegeben, zu denen der Sommelier eine Empfehlung aussprechen sollte. Der Bierweiser schlug ein Amber Ale oder Bockbier als passend für eine Pizza vor sowie ein Barley Wine oder Quadrupel für eine Mousse au Chocolat. "Bis auf das Bockbier sind alle Biere gut geeignet" ordnet Christoph Digwa (selbst ausgebildeter Biersommelier) die Ergebnisse ein. Der eine Fehlgriff ist aber kein Problem, denn der Bierweiser ermöglicht eine Bewertung der Vorschläge oder die Auswahl eines alternativen Bieres.

Im Anschluss an die erste Präsentation wurde vor allem die Nutzung von Nährwerten als Datenquellen durch die Jury hinterfragt. "Was geschieht denn, wenn ich ein nicht schmeckendes Gericht eingebe? Erhalte ich dann ein passendes, nicht schmeckendes Bier?" fragte zudem Prof. Glasmacher. In Summe war die Jury aber sehr beeindruckt von der technischen Lösung und dem funktionierenden Prototypen.

Das zweite Team hat die Entwicklung auf eine Smartphone App ausgelegt. Die Präsentation umfasste zudem bereits konkrete Ideen zur Vermarktung des Biersommeliers. Auch hier konnte ein funktionierender Prototyp entwickelt werden, der eine Auswahl aus 18 Bierstilen trifft, allerdings jeweils nur einen konkreten Vorschlag nennt. Für die Pizza war dies ein Sauerbier und für die Mousse au Chocolate ein Lager. Während das Sauerbier laut Christoph Digwa super zu Pizza passt, war er beim Lagerbier eher neutraler Meinung.

Die Präsentation begeisterte die Jury. "Das hat schon etwas von einer Unternehmenspräsentation" zeigte sich Prof. Nyhuis beeindruckt. Er lobte die vollständige Darstellung und auch die Nennung potentieller Vermarktungsstrategien.

Die hohe Begeisterung der Jury zeigte sich auch anhand der fachlich tiefgehenden Diskussion mit den Studierenden. Prof. Becker diskutierte mit beiden Gruppen über die jeweils genutzten Ansätze des Maschinellen Lernens und gab konkrete Alternativvorschläge für weiterführende Vorhaben.

Auch aus diesem digitalen Lehrkonzept zieht die Campus Brauerei ein sehr positives Feedback. Ein großer Dank geht an dieser Stelle an alle Studierende für die tolle Arbeit sowie an die Jury für das umfangreiche Feedback. Die nächsten Schritte zur Weiterentwicklung des digitalen Biersommeliers, welche ebenfalls mit der Jury diskutiert wurden, stehen bereits fast. Es bleibt also weiterhin spannend.